Skitouren im Safiental

Die Gruppe um Holger Buck - neben ihm noch Julia, Tina, Sabine und Reinhard, Uwe und Johannes - scheinen keine allzu großen Fasnets-Jecken zu sein, sonst hätten sie sich kaum am Faschingssamstag zu 4 tollen Tourentagen ins Safiental aufgemacht. Das Safiental liegt zwischen Hinter- und Vorderrheintal in Graubünden und hat außer einem kleinen, solarbetriebenen Schlepplift am Taleingang keine mechanischen Aufstiegshilfen zu bieten. Ein Eldorado für Touren- und Schneeschuhgruppen, und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir trotz der Einsamkeit des Tals nie alleine auf Tour waren. Unser Stützpunkt war der Berggasthof Turrahus, ganz hinten im Tal auf 1700m gelegen, mit dem Auto erreichbar, so dass man das Gepäck bequem in der Sporttasche transportieren konnte und für die Tour nur einen kleinen Tagesrucksack mitnehmen musste. Von hier kommt man dann nur noch per Ski oder Schneeschuhen weiter, der Talschluss bietet herrliche, meistens ost- oder nordost-geneigte Hänge. Die Gipfel sind knapp 3000m hoch, was immerhin Tagesziele mit bis zu 1300 Höhenmetern bot. Dabei steigen die Berge fast gleichmäßig und ohne Steilstufen an, nur die Gipfelhänge sind etwas steiler. Perfektes Touren- und vor allem Abfahrgelände also. Noch am Anreisetag - wir waren wegen des zu erwartenden Faschingsferienverkehrs um 4:30 Uhr in Ludwigsburg losgefahren - stiegen wir bei herrlichem Wetter zum Piz Guv (2700m) auf. Gleich zu Beginn wählte Holger eine kleine Aufstiegsvariante, mitten durch das Bachbett, denn "einfach kann jeder". Dieser Auftakt blieb jedoch der einzige Umweg, ansonsten mussten wir nur den vielen perfekten Aufstiegsspuren folgen, die sich Hügel um Hügel hochzogen. Trotz des warmen Wetters (dafür scheinte den ganzen Tag die Sonne ) konnten wir oberhalb von 2200m richtig schönen Pulverschnee finden, und selbst darunter ging es in weichem, ganz unten dann sulzigem Schnee noch gut zu fahren. Kein Bruchharsch trübte den Abfahrgenuss, und so genossen wir die Abfahrt ausführlich, und wunderten uns immer wieder, wie lange dieser Abfahrtspaß anhielt. Der Aufstieg waren uns gar nicht so lange vorgekommen, was sicher auch an der gleichmäßigen, sehr angenehm zu gehenden Aufstiegsroute lag (bis auf das Bachbett).

Den Tour-Ausklang genossen wir dann auf der Terrasse bei einem Kübel vom Fass, alternativ Rivella oder Apfelschorle. Samstag Abend war der Berggasthof voll, so dass wir im Lager schliefen, was vor allem bei uns Männern bei einer Dachbalkenhöhe von 1,50m doch zu mancher kleinen Beule führte.

Dies und auch die anfänglichen Wolken konnte uns jedoch am nächsten Morgen nicht von der "Königstour" auf den Piz Tomül abhalten, den mit knapp 3000m höchsten mit Skiern begehbaren Gipfel des Safientals. Vom Tomülpass, der ins Valsertal hinunterführt, zieht sich ein schmaler, perfekt zu gehender Gipfelgrat 500m Höhenmeter aufwärts. Die letzten Meter muss man die Ski abschnallen, denn der Gipfel selbst besteht nur aus einem recht ausgesetzten Felsplateau. Die Abfahrtroute war nicht so eindeutig auszumachen, einfach am Grat entlang wie offensichtlich unsere Vorgängergruppen wollten wir nicht abfahren, hatten wir doch gestern herrliche Nordost-Hänge unterhalb des Gipfels ausgemacht. Wir traversierten daher erst mal einige Hundert Meter nach Osten und wurden dafür mit einem tollen Pulverschneehang belohnt, den wir aus Sicherheitsgründen einzeln und mit der gebotenen Vorsicht befuhren. Aber der Schnee hielt, der Hang hielt was er versprach und der Wetterbericht hielt was er vorausgesagt hatte: Sonne ab Mittag! Sieben Spuren nebeneinander - am nächsten Tag waren es schon viele mehr. Wir hatten offensichtlich die richtige Spur gelegt. Nach einer ausführlichen Mittagsrast an windgeschützter Stelle genossen wir die sanften Hänge, heute gab es sogar richtigen aufsulzenden Firn, da die Wolken am Vormittag das zu starke Aufweichen des Schnees verhindert hatten. Eine Stelle ist noch erwähnenswert, eine kurze Schussfahrt, um den kleinen Gegenhang mit Schwung zu nehmen, endete für 4 von 7 mit einem krachenden Sturz, genau an der tiefsten Stelle der Mulde. Der Schnee war hier weich geworden und bremste so stark, dass keine Akrobatik die Stürze verhindern konnte. Die 3 letzten hatten dann die Gnade der späten Abfahrt und wussten die Stelle vorsichtig und mit ausgeprägter Rückenlage zu meistern. Nachmittags dann wieder Terrasse, Kübel, Sonne - heute Sonntag schon mit deutlich weniger Gästen. Der Montag war dann wieder von Anfang an sonnig , allerdings hatte die sternenklare Nacht die untersten Hänge auch eisig gefroren. Der ein oder andere durfte daher den Starthang zweimal aufsteigen, danach aber ging es wie gewohnt und äußerst idyllisch die Hänge hinauf. Das heutige Ziel, das Tällihorn, steht dem Piz Tomül an Höhe nur wenige Meter nach, dafür kann man bis ganz oben mit den Ski aufsteigen. Die Aussicht vom Gipfel heute reichte bis ins Berner Oberland, der eisige Gipfelwind ließ uns diese jedoch nicht allzu lange genießen. Die Abfahrt verlief dann gemäß dem Motto "the same procedure as every day": oben Pulver, Mitte weicher Tiefschnee, unten Sulz, ganz unten Terrasse und Kübel und Rivella und mehr.

Vom Berggasthof Turrahus (dessen ausgezeichnete Küche noch zu erwähnen ist, Montag Abend mit Käsefondue!) aus haben wir mit diesen 3 Gipfeln eigentlich die lohnensten Ziele bestiegen. Wer keine Mühen scheut kann noch auf das Bärenhorn, aber dazu müsste man erst mal einige Kilometer mehr oder weniger eben in den Talschluss hineinwandern. Daher entschieden wir uns am Faschingsdienstag, unseren Abreisetag, für eine Tour aufs Plangghorn (2500m) mit Start in Safien-Platz (1300m). Wir hatten allerdings nicht wirklich bedacht, dass der Startpunkt wieder 400m tiefer lag, und damit die ersten 400 Höhenmeter mehr oder weniger ausgeapert waren (eher mehr ????). Wir suchten die Schneereste und fanden sie in einer engen Rinne am Waldrand, wo wir fleißig Kehren üben konnten. Heute war auch das Wetter nicht mehr so toll, aber aufgeben wollten wir auch nicht, und so kämpften wir uns bis auf den Gipfelhang, an dem man seine Skier mangels Schnee (den hatte der Wind weggeblasen) abziehen musste. Die Abfahrt verlief dann auch sehr speziell, man hatte teilweise das Gefühl, über Rüttelpisten zu fahren. Dafür schafften wir es tatsächlich, ohne Abzuschnallen wieder bis zum Auto zu kommen.

Es war der Vorgeschmack auf den April! Eine tolle Tour, perfekt vorbereitet von Holger mit einer sehr harmonischen Gruppe. Fasching zuhause hätte nicht schöner sein können!

Text und Bilder: Johannes Schockenhoff