Klettersteigwochenende in Bludenz, Montafon

Immer auf der Suche nach Klettersteigen, ohne lange Zustiege, fanden wir diesmal die Region Bludenz als Ausgangspunkt. Dieses Jahr waren wir mit 4 Leuten eine eher kleine Gruppe.

Als Erstes besuchten wir den Hochjoch Klettersteig. Ihn erreichten wir von Schruns über zwei Seilbahnen, einen Abstieg über sommerliche Skipisten, vorbei an zwei idyllischen Seen und einem Gegenanstieg über Grashänge. Obwohl er viele ausgesetzte Stellen mit Schwierigkeit C hatte, bekamen wir oft Kontakt zum Erdreich, was nach den Regenfällen der letzten Tage braune Schmierer am Hosenbein einbrachte. Als Highlight gilt die 62m Hängebrücke, bei der man über kleine Trittbrettchen balancieren darf. Zum Abstieg folgten wir dem Normalweg, einem schmalen Steig, der teils seilversichert, dem nachfolgenden Grat folgend, wieder ins Skigebiet führt. Über die Wormser Hütte ging es wieder zurück ins Tal.
Für die Nacht hatten wir noch ein Plätzchen auf einer frisch gemähten Wiese des Auhof Campings in Bürs bekommen. Nach einem Abendessen in Bürs klingt der Abend bei diversen Flaschen Wein mit den anderen Campern der Zeltwiese aus. 
Die Wolken des Vortages sind in der Nacht verflogen, es lockt purer Sonnenschein. Unser nächstes Ziel ist der Klostertaler Klettersteig am Fallbach, kurz vor Dalaas. Schon bei der Anfahrt beeindruckt die riesige Wand mit dem Wasserfall, neben dem der Klettersteig emporzieht. Im Gegensatz zu gestern ist mehr Klettern als Steigen angesagt. Und das schon vom Einstieg weg. Im Mittelteil legt sich die Wand zurück, so das man das nahende Finale gut einsehen kann: durch eine senkrechte Felswand wird man zum Ausstieg gelotst –angeblich nur C/D! Statt der Gipfelrast hängen wir unsere Füße in den Bach, der weniger Meter später durch die Wand fällt. Der Abstieg zum Auto führt durch einen urigen Wald –steil und flott geht es bergab.

Bleibt das Finale: der Wasserfall Klettersteig bei St.Anton (im Montafon). Dank der fortgeschrittenen Tageszeit waren die meisten Klettersteiggeher schon beim Abstieg. Über viele Krampen ging es neben dem Wasserfall empor. Bald standen wir an den zwei 30m-Seilbrücken. Obwohl sie halb so lang, wie die vom Vortag sind, sind sie wesentlich schwieriger als diese: man hat nur ein Drahtseil zum Stehen, was sich leicht aufschaukelt und man Angst bekommt, daneben zu treten. Danach folgten zwei C/D Stellen und bald der Ausstieg. Nach 70min waren wir auch schon wieder im Tal. Nach einer Wäsche im Bach, einem Eis oder Bierchen auf der Terrasse des nächsten Restaurants traten wie die Heimfahrt an und freuten uns, dass uns Corona keinen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

 

Text und Bilder: Wulf Henke