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150 Jahre Deutscher Alpenverein: Unterhaltsames und Nachdenkliches bei der Jubiläumsfeier am 9. Mai

Selbst den Tagesthemen war es am Abend des 9. Mai einen längeren Beitrag wert: das 150-jährige Gründungsjubiläum des Deutschen Alpenvereins. Die Erfolgsgeschichte des mit rund 1,25 Millionen Mitgliedern weltweit größten Bergsteigerverband hat sich herumgesprochen. Wir nutzen unseren monatlichen Sektionsabend, um ein wenig zu feiern und um unterhaltsam, aber auch kritisch zurück und nach vorne zu blicken. Auch Luis Trenker alias Reiner Andres war „stilecht“ auf ein paar Anekdoten vorbeigekommen. Vorstand Jens Ditlevsen hatte für einen musikalischen Ausklang die Gitarre mitgebracht.

„Diese Entwicklung hätten sich die 36 Gründer im Mai 1869 im Traum nicht vorstellen können“, begrüßte Vorsitzender Roland Fischer die Gäste in der voll besetzten Restauration „Fuchshof“ des Sportzentrums Ost. „Die Berge waren bis dahin vor allem Forschern und Jägern, Offizieren, Adligen oder Klerikern vorbehalten“ erläuterte Daniela Helsch, die mit Nicole Fischer und Lukas Reiber intensiv in den Archiven recherchiert hatte. Dann ging es Schlag auf Schlag: nach nicht einmal einem Jahr waren 22 Sektionen mit über 1000 Mitgliedern entstanden. Zu den allerersten gehörte die Sektion Schwaben, aus der 1955 unsere Ludwigsburger ausgegründet wurde.

Die enormen Herausforderungen, die der Erfolg mit sich bringt, hatten auch die Tagesthemen in den Mittelpunkt ihres Beitrags gestellt. Der Spagat zwischen Naturnutzung und Naturschutz, der unseren Verein aber schon seit über 100 Jahren umtreibt. Vor dem 1. Weltkriegs hatte die rasante Erschließung der Alpen bereits für einen beträchtlichen Teil der heute bestehenden 330 AV-Hütten und dem Wegenetz von etwa 30.000 Kilometern gesorgt. Damit erhoben sich auch die ersten Stimmen, die für ein Umsteuern eintraten. Inzwischen hat sich der DAV längst auferlegt, keine weiteren Neubauten vorzunehmen und Erweiterungen des Wegenetzes nur noch aus Sicherheitsgründen vorzunehmen.

„Warum tun wir uns das an?“

Ganz bewusst nicht ausgespart bei dem mit viel historischem Bildmaterial liebevoll aufgemachten Rückblick wurde der Antisemitismus, den eifernde Sektionen sogar schon in den frühen Zwanzigerjahren hoffähig gemacht hatten. Skurril mutet heute der Umstand an, dass Frauen bis in die 60er-Jahre nur die stimmrechtslose B-Mitgliedschaft als Gattinnen und Töchter erwerben konnten. Für Roland Fischer „gehören Gleichberechtigung und multikulturelles Leben heute selbstverständlich zu unserem bunten und engagierten Verein“. In dem man im Übrigen auch herzhaft über sich selbst lachen kann. Der sehenswerte Jubiläums-Video stellt die Frage „Warum tun wir uns das an?“ angesichts von Schnarchern in den Schlafsälen der Hütten oder der Quälerei mit schweren Rucksäcken. Worauf die Antwort lautet: „Erklären kann man es nicht, wir verspüren es halt“. www.alpenverein.de/Der-DAV/Jubilaeum-150/